1.   Was sind private Abwasserleitungen?
2.   Welche Folgen können durch undichte Abwasserleitungen auftreten?
3.   Wie wird geprüft?
4.   Welche Sanierungsmöglichkeiten gibt es?
5.   Muss ich meine Regenwasserleitungen auch überprüfen lassen?
6.   Mir wird eine billige Funktionsprüfung an der Haustüre angeboten, was tun?
7.   Bis wann muss ich die prüfen lassen?
8.   Ich habe bereits einen Dichtheitsnachweis. Kann ich diesen verwenden?
9.   Wenn bei der Prüfung ein Schaden festgestellt wird, muss er dann direkt behoben werden?
10. Gibt es eine Versicherung gegen Schäden an der Abwasseranlage?
11. Ich bin Mieter. Betrifft mich die Funktionsprüfung auch?

12. Welche Firmen helfen mir weiter?
13. Ich habe eine Funktionsprüfung durchführen lassen. Das Ergebnis lautet: undicht. Was muss ich tun?
14. Muss ich als Grundstückseigentümer die Prüfung zahlen?
15. Was kostet die Funktionsprüfung?
16. Bekomme ich Zuschüsse?
17. Kann ich die Prüfung vorziehen oder auf später verschieben?
18. Ich verfüge über keine Unterlagen zu meiner Grundstücksentwässerungsanlage! Was ist zu tun?
19. Wer ist bei Erbbaugrundstücken zuständig?

1. Was sind private Abwasserleitungen?
Zu den privaten Abwasseranlagen zählen alle Leitungen und Schächte auf Ihrem Grundstück.


Je nach Entwässerungssystem verfügen Grundstücke über einen oder zwei Grundstücksanschlüsse. Beim Mischsystem wird das Schmutz- und Regenwasser gemeinsam über einen Anschlusskanal abgeleitet. Im Gegensatz dazu fließt beim Trennsystem das Regenwasser und Schmutzwasser über zwei getrennte Anschlusskanäle den gemeindlichen Regen- und Schmutzwasserkanälen zu. 
 
2. Welche Folgen können durch undichte Abwasserleitungen auftreten?
Exfiltration:
Durch undichte Abwasserleitungen kann Abwasser den umgebenden Boden und das Grundwasser verunreinigen.
 
Infiltration:
Grundwasser fließt durch undichte Abwasserleitungen in das Kanalnetz und belastet dabei durch das sog. Fremdwasser unsere Kläranlage. Als Folge sind ggf. bauliche Maßnahmen erforderlich, die wiederum die Abwassergebühr steigen lässt. An der schadhaften Stelle wird gleichzeitig der Boden in das Kanalnetz eingespült. Dies kann zu einem Zusammenbrechen und somit zum Verstopfen der Anschlussleitung führen. 
 
3. Wie wird geprüft?
Die Funktionsprüfung einer Abwasseranlage umfasst in der Regel eine vorherige gründliche Reinigung der Rohre. Die Prüfung erfolgt nach DIN 1986-30 durch eine optische Inspektion (Kamera). Alternativ kann eine Wasserfüllstandsprüfung durchgeführt werden. Hierzu wird das Grundleitungssystem abgesperrt und bis zur Oberkante des tiefsten Entwässerungsgegenstandes mit Wasser geflutet. Während der Prüfzeit von 15 Min. wird der Wasserverlust gemessen. Die Leitung gilt als dicht, wenn ein bestimmter vom Rohrmaterial abhängiger Wasserverlust nicht überschritten wird.


Alternativ besteht die Möglichkeit einen Dichtheitsnachweis mittels Wasser- oder Luftdruckprüfung durchzuführen. Diese Prüfmethode wird insbesondere bei neu errichteten Leitungen durchgeführt.

Unabhängig vom Prüfverfahren ist eine Dokumentation der vorgenommenen Maßnahmen und festgestellten Prüfungsergebnisse erforderlich. 
 
4. Welche Sanierungsmöglichkeiten gibt es?
Wenn bei einer Inspektion oder Dichtheitsprüfung Schäden festgestellt werden und eine Sanierung notwendig werden sollte, ist es ratsam, zunächst sachkundigen Rat einzuholen und nicht sofort den Sanierungsauftrag zu erteilen. Die bisherige Praxis zeigt, dass es oft noch kostengünstigere und bessere Lösungen gibt, als das erstbeste Angebot hergibt.


Die Wahl des Sanierungsverfahrens ist abhängig von den festgestellten Schäden und der Zugänglichkeit des Hausanschlusses. Heutzutage ist dabei in vielen Fällen eine Sanierung ohne Aufgrabung der Leitung (grabenloses Verfahren) möglich. Die Bauzeit sowie die Unterbrechung des Abwasserabflusses werden auf ein Minimum beschränkt. Bei grabenlosen Sanierungsverfahren erfolgt die Sanierung unterirdisch bzw. von innen. Bei der Auswahl der Sanierungsform sollten grundsätzlich die technischen Möglichkeiten sowie die Wirtschaftlichkeit beachtet werden. Je nach Schadensbild bieten sich grundsätzlich drei Möglichkeiten: Reparatur von Einzelschäden, Renovierung einer kompletten Leitung von innen oder Erneuerung einer kompletten Leitung bzw. von Einzelstücken.

Reparatur
Bei der Reparatur unterscheidet man zwischen Injektionsverfahren, Roboterverfahren und partiellen Inlinerverfahren. Mit diesen Verfahren werden einzelne Schäden (z.B. undichte Muffen) von innen abgedichtet.


Renovierung
Die Renovierung einer Grundleitung oder eines Anschlusskanals kann mit dem Inlinerverfahren durchgeführt werden. Beim Inlinerverfahren unterscheidet man zwischen Schlauchlining- und Rohrstrangverfahren. Die so genannten Inliner werden über die Revisionsöffnung am Haus in die Leitung eingezogen. Durch einen Inliner wird der Querschnitt der Altleitung verkleinert. Damit der Mindestquerschnitt von 10 cm (DN 100) nach der Sanierung nicht unterschritten wird, darf das Liningverfahren nur bei Rohren mit einem Innendurchmesser von mindestens 12,5 cm (DN 125) durchgeführt werden.

Erneuerung
Ist die Reparatur oder Renovierung des Hausanschlusses aufgrund von umfangreichen Schäden oder Unzugänglichkeit nicht möglich, muss die komplette Leitung erneuert werden. Als sichere und preiswerte Alternative hat sich hierbei die Neuverlegung der schadhaften Grundleitungen unter der Kellerdecke statt wie bisher unter der Grundplatte erwiesen. 
 
5. Muss ich meine Regenwasserleitungen auch überprüfen lassen?
Der Gesetzgeber schreibt vor, dass der Eigentümer eines Grundstücks im Erdreich oder sonst unzugänglich verlegte Abwasserleitungen, die

- zum Sammeln oder Fortleiten von Schmutzwasser  oder
- zum Sammeln oder Fortleiten von mit Niederschlagswasser vermischten Schmutzwasser

errichtet wurden, von einem Sachkundigen zu prüfen sind.


Daraus folgt, dass private Abwasserleitungen, die ausschließlich zum Sammeln und Fortleiten von Niederschlagswasser (Regenwasser) des Grundstücks errichtet wurden, nicht auf Dichtheit zu prüfen sind.
Hinweis:
Aus technischer Sicht kann es jedoch sinnvoll sein, auch die Regenwasserleitungen, insbesondere unterhalb der Bodenplatte, auf Dichtheit zu prüfen. Durch undichte Regenwasserleitungen kommt es häufiger zu Gebäudeschäden. Das austretende Regenwasser kann den Kellerboden oder Kellerwände/Fundamente durchfeuchten. 
6. Mir wird eine billige Funktionsprüfung an der Haustüre angeboten, was tun?
Für Inspektions- und Sanierungsfirmen gibt es ein sehr großes Auftragspotential.
Das hat auch eine Reihe unseriöser Firmen („Kanalhaie“) erkannt. Bei den „Kanalhaien“ arbeiten oftmals Drückerfirmen und Kanaldienstleistungsunternehmen zusammen. Die Unternehmen ziehen von Haus zu Haus und bieten eine kostengünstige Untersuchung der Abwasserleitungen an.   Es wird eine Kamerauntersuchung der Grundleitung zu einem sehr geringen Pauschalpreis angeboten. Meist wird auf die sofortige Unterzeichnung eines oftmals überteuerten oder sogar unnötigen Arbeitsauftrages gedrängt. Häufig schließt sich nach einer unzureichenden Untersuchung ein überteuertes Sanierungsangebot an.


Sofern Ihnen unseriöse Angebote unterbreitet werden, bitten wir Sie sich umgehend bei Ihrer Gemeindeverwaltung - Planen + Bauen-  zu melden!  Es besteht kein Grund zur Eile! Vergleichen Sie in Ruhe die Preise der Fachfirmen für eine seriöse Funktionsprüfung, auch für eventuell notwendige Arbeiten an Ihren Abwasserkanälen!

Seriöse Firmen machen in der Regel keine Haustürgeschäfte!


7. Bis wann muss ich prüfen lassen?
Der Zeitpunkt, bis wann eine Prüfung durchgeführt werden muss, ergibt sich aus der Entwässerungssatzung bzw. aus der SüwVO Abw 2013.
Das Ziel, ein dichtes Kanalnetz zu betreiben und somit die Umwelt zu schützen kann nur gemeinsam erreicht werden. Dies betrifft zum einem die Untersuchung Ihrer privaten Abwasserleitungen, zum anderen die Untersuchung unseres Hauptkanals, die wir gebietsweise durchführen. Die Frist Ihres Grundstückes können Sie hier erfragen.


8. Ich habe bereits einen Dichtheitsnachweis. Kann ich diesen verwenden?
Wenn Sie einen Dichtheitsnachweis aus dem Neubau oder einer Sanierung Ihrer Abwasserkanäle haben welcher nach dem 01.01.1996 ausgestellt wurde, dann kann dieser ggf. nach Prüfung durch die Gemeinde anerkannt werden. Entscheidend ist hierbei, dass die Prüfung und die Prüfbescheinigung den zum Zeitpunkt der Prüfung geltenden Anforderungen entsprochen haben.
 
9. Wenn bei der Prüfung ein Schaden festgestellt wird, muss er dann direkt behoben werden?
Wenn Ihnen ein Schaden bekannt wird,  bei dem Abwasser in das Erdreich einsickern kann, müssen Sie handeln. Der Zeitpunkt der Sanierung ist abhängig vom festgestellten Schadenspotential. Grundsätzlich sollte allerdings beachtet werden, dass nicht jeder Schaden umgehend behoben werden muss.   Anhand der Schadensbilder ergeben sich unterschiedliche Sanierungsmöglichkeiten und Sanierungszeitpunkte.
Zur Festlegung der richtigen Sanierungsstrategie sollte eine kompetente Beratungsstelle aufgesucht werden (Ingenieurbüros, zertifizierte Kanalsanierungsberater, etc.). Auch persönliche Planungen, wie z. B. größere Umbaumaßnahmen am Gebäude oder der Zufahrt spielen in eine Sanierungsplanung mit ein.


10. Gibt es eine Versicherung gegen Schäden an der Abwasseranlage?
Unter Umständen ist dieses Risiko durch eine Gebäudeversicherung abgedeckt.
Sehen Sie in Ihren Versicherungsunterlagen nach oder lassen Sie sich fachkundig beraten.


11. Ich bin Mieter. Betrifft mich die Funktionsprüfung auch?
Nur indirekt. Zwar ist der Eigentümer der Immobilie für den Zustand und die Funktion der Kanäle verantwortlich, als Mieter müssen Sie jedoch der vom Eigentümer beauftragten Firma gegebenenfalls Zutritt zur Abwasseranlage gewähren. Es kann auch sein, dass Sie für einen kurzen Zeitraum der Prüfung Ihre sanitären Anlagen und andere Abwasser produzierende Geräte wie Waschmaschine oder Spülmaschine nicht benutzen können.


12. Welche Firmen helfen mir weiter?
Die Funktionsprüfung muss von einem anerkannten Sachkundigen durchführt werden. Diese sachkundigen Personen sind auf der landesweiten Liste des Landes NRW aufgeführt. Die anerkannten Sachkundigen finden Sie hier.

13. Ich habe eine Funktionsprüfung durchführen lassen. Das Ergebnis lautet: Undicht. Was muss ich tun?
Ist der Schaden bereits lokalisiert, muss er beseitigt werden. Sollte z.B. nach einer Dichtheitsprüfung mit Wasser- oder Luftdruck die Schadensstelle nicht bekannt sein, so muss diese zunächst lokalisiert werden. In der Regel geschieht dieses mit einer Kamerabefahrung.
Anhand des Schadensbildes ergeben sich unterschiedliche Sanierungsmöglichkeiten. Die richtige Strategie sollte durch kompetente Grundstücksentwässerungsberater festgelegt werden (Ingenieurbüros, zertifizierte Kanalsanierungsberater, etc.).
Der Zeitpunkt der Sanierung ist abhängig vom festgestellten Schadenspotential. Grundsätzlich sollte beachtet werden, dass nicht jeder Schaden umgehend behoben werden muss. Auch persönliche Planungen, wie z. B. größere Umbaumaßnahmen am Gebäude spielen in eine Sanierungsplanung mit ein. Nach der Sanierung ist eine erneute Dichtheitsprüfung durch einen Sachkundigen erforderlich.

Ihre Prüfunterlagen (Bescheinigung, Lagepläne, Protokolle) sind als Nachweis von Ihnen aufzubewahren und der Gemeinde auf Verlangen vorzulegen.

14. Muss ich als Grundstückseigentümer die Prüfung zahlen?

Ja. Der Grundstückseigentümer muss die Arbeiten ähnlich wie bei anderen Handwerkerarbeiten in Auftrag geben. Dabei können Sie den Sachkundigen frei wählen. Die gesetzliche Grundlage ist die Entwässerungssatzung:  

 § 13  Ausführung von Anschlussleitungen:

(6) Die Herstellung, Erneuerung und Veränderung sowie die laufende Unterhaltung der haustechnischen Abwasseranlagen sowie der Hausanschlussleitung auf dem anzuschließenden Grundstück führt der Grundstückseigentümer auf seine Kosten durch. Die Hausanschlussleitung ist in Abstimmung mit der Gemeinde zu erstellen.

15. Was kostet die Funktionsprüfung?
Dies kommt natürlich auf die Kalkulation der Unternehmer und auf den Aufwand vor Ort an. Die Kosten für ein Einfamilienhaus mit normaler Anschlusssituation (ca. 6-7 m) belaufen sich bei seriösen Anbietern auf ca. 200-500 Euro. Bitte achten Sie darauf, dass Sie einen zertifizierten

Sachkundigen beauftragen. Es empfiehlt sich, mehrere Angebote einzuholen und diese zu vergleichen. Oft bietet es sich auch an, sich mit weiteren Nachbar-Eigentümern zusammenzutun, um ein günstiges Angebot auszuhandeln. Informationen zur freiwilligen Untersuchung Ihres Grundstücksanschlusses durch die Gemeinde erhalten Sie hier.

16. Bekomme ich Zuschüsse?

Es gibt für die Sanierung verschiedene Möglichkeiten der (Teil-) Finanzierung:

- Versicherungen (prüfen Sie den Vertrag der Gebäudeversicherung)

- steuerliche Absetzbarkeit (Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen)

- Förderprogramme des Landes NRW (Ressourceneffiziente Abwasserbeseitigung NRW; www.nrw-bank.de). Fragen Sie außerdem Ihre Hausbank nach günstigen Krediten und vergleichen Sie immer mehrere Angebote.

Es gibt keine öffentlichen Zuschüsse. Allerdings gibt es einige angepasste Kreditangebote der Banken.



17. Kann ich die Prüfung vorziehen oder auf später verschieben?
Ein Vorziehen ist problemlos möglich. Ein Verlängern der Frist ist generell nicht möglich, da diese gesetzlich vorgegeben ist.

  
18. Ich verfüge über keine Unterlagen zu meiner Grundstücksentwässerungsanlage! Was ist zu tun?  
Die Gemeinde Südlohn führt eine Kanaldatenbank, in der unser öffentliches Kanalnetz aufgenommen ist. Private Leitungen werden in diesem Kataster nicht geführt. Allerdings ist dargestellt, an welcher Position ihr Grundstücksanschluss an den Hauptkanal angebunden ist. Gerne erstellen wir Ihnen einen Auszug aus unserem Kataster. Dieser kann zugleich als Zeichnungsgrundlage für Ihren Entwässerungsantrag dienen.

 

Alternativ kann über die heutige Kameraortung Ihr Leitungsverlauf geklärt werden. Hierzu werden Ihre Leitungen mit Kanalkameras durchfahren. Zum einen kann dabei der bauliche Zustand ermittelt werden und zum anderen kann die Lage der Leitung an der Oberfläche geortet werden. Markante Punkte wie z.b. verdeckte Schächte, Abzweige oder aber Schäden können lokalisiert werden. 
19. Wer ist bei Erbbaugrundstücken zuständig? Ist das Grundstück mit einem Erbbaurecht belastet, so tritt an die Stelle des Eigentümers der Erbbauberechtigte.